WIP - Needful Things: #1 Ein paar Gedanken zur Vorlage

Es ist soweit - das erste Projekt auf der neuen Website steckt in seinen Anfängen, und so möchte ich euch dann auch gerne an seiner Entstehung und Planung teilhaben lassen.

Bevor ich allerdings mit konkreten Planungen einsteige, solltet ihr zunächst mal wissen worum es gehen wird:


Wie ich es an der einen oder anderen Stelle ja bereits angedeutet habe, wird das nächste Modell meine dritte (und voraussichtlich vorletzte) Arbeit zu Stephen King werden. Adaptieren möchte ich dieses Mal »Needful Things«, meinen... mhhh... ich würde sagen zweitliebsten Roman des Autors. In meinen persönlichen Favoriten rangiert er direkt hinter »IT«, und der Grund weshalb ich so lange mit einer Umsetzung gezögert habe bestand (wie so oft) in meinen Schwierigkeiten, ein angemessenes Konzept für diese einfache und doch so vielschichtige Vorlage zu finden.


Aber worum geht es?

In der kleinen Stadt »Castle Rock« eröffnet ein mysteriöser kleiner Laden, der am ehesten als Kuriositätenladen bezeichnet werden kann. In ihm scheint jeder Einwohner der Stadt seinen persönlichen Herzenswunsch zu finden, den er schon sein ganzes Leben gesucht hat. Die Preise sind erstaunlich günstig. Sie bestehen aus einem sehr geringen Betrag in bar... und einem vermeintlich harmlosen Streich, den jeder Käufer einem seiner Nachbarn spielen soll. Was die Käufer nicht wissen: Natürlich ist der Ladeninhaber Leland Gaunt kein gewöhnlicher Geschäftsmann. Er weiß sehr genau um die Geschichten und Lebensumstände der Einwohner von Castle Rock - und um die vielen kleinen unterschwellig schwelenden Konflikte zwischen ihnen.


Und so nutzt er sein Wissen, um mittels der aufgetragenen Streiche die Bewohner der vordergründig so friedlichen Stadt langsam aber sicher gegeneinander aufzuwiegeln, sie wie Bauern ins Feld zu führen - und die bestehenden Klüfte und Feindseligkeiten zur totalen Eskalation zu treiben. Es ist an dieser Stelle wohl müßig zu erwähnen, dass der zu Anfang eher beschauliche Roman rasend schnell an Fahrt aufnimmt - bis am Ende alles Liebgewonnene in Schutt und Asche liegt. Es ist und bleibt halt immer noch King.

Soweit zum Inhalt. Getragen wird die Vorlage (wie fast alle von Kings Romanen) natürlich einerseits von dem ihm eigenen Fingerspitzengefühl, mit dem er sensible Charakterzeichnungen, gnadenlose Kleinstadtportraits und Thrillerelemente zu verbinden versteht. Vor allem aber war und ist »Needful Things« für mich der Inbegriff einer zeitlosen, ja universalen Geschichte mit dem Potential, in jeder nur vorstellbaren Gesellschaft und Epoche zu funktionieren. Wäre sie ein Bühnenstück, könnte man sie gleichermaßen als griechische Tragödie wie modern-minimalistisch inszenieren; die Handlung könnte ebenso gut nach Japan wie in die Mongolei verortet werden - alle Varianten wären gleichermaßen wirkungsvoll - und universal verständlich. Denn die Geschichte und ihre Hauptmotive sind schlicht zeitlos. Nicht zuletzt ist dieser Effekt wohl auf grundlegenden Fragen zurückzuführen, die der Roman zwangsläufig aufwirft, und in denen sich wohl jeder Leser auf die eine oder andere (stets höchst unbequeme) Weise wiederfinden kann. Ich nenne hier nur mal drei:

»Für welchen Anreiz wäre man selbst bereit, seine moralischen Grundsätze und persönlichen Ideale zu verkaufen ...oder vielleicht auch nur einmal eine Ausnahme zu machen?«


»Wie viel wissen wir tatsächlich über unsere Nachbarn - und wie viel glauben wir nur zu wissen... und wie können diese selektiven Bilder gegen uns verwendet werden?«


»Wie sehr können Angst, Schmerz und Verzweiflung uns Denken und Fühlen und unsere Entscheidungen verzerren?«


Es sind Fragen wie diese, die den betagten Roman heute, in Zeiten von »Fakenews«, medialen Hetzjagden und haarsträubenden Vereinfachungen aktueller machen denn je. Und es sind Bücher wie dieses, die mich bereits in sehr jungen Jahren gelehrt haben haben, mir derartige Fragen überhaupt zu stellen und sie (noch wichtiger) fortan stets im Hinterkopf zu behalten. Dieser Umstand macht King in meinen Augen zu einem der prägenden und wertvollen Autoren meiner Generation. Denn auch eine solche Wirkung ist in meinen Augen ein Indikator für Qualität. Ihr versteh nun vielleicht, weshalb der Gedanke an eine eigene Umsetzung dieser Vorlage mich über viele Jahre doch recht eingeschüchtert hat. Ja, es ist eine im Prinzip recht simple Geschichte, aber in ihr schwingen derart viele Ebenen mit, dass eine visuelle Umsetzung bestenfalls in einer Kompromisslösung enden kann. Alle wird man schlichtweg nicht erfassen können. Und was die Sache noch schwieriger macht: auch die Auslegungs- und Interpretationsmöglichkeiten sind eigentlich unbegrenzt.


Aber lässt man ein solches Vorhaben deswegen gleich ganz bleiben? Ich denke: Nö! Man tut halt was man kann und versucht, was eben geht. Schließlich ist jede kreative Arbeit zwangsläufig immer irgendwie eine Kompromisslösung. Damit geht es weiter unter : Teil #2

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