Drachenlampe - (6)

Jephehhh, ich hüpfe und freue mich - denn es geht seit langem mal wieder an den Figurenbau!

Als letzte Etappe meines Bücher-Leuchte-Skulptur-Objekts stehen nämlich nun nurmehr die Figuren der frisch geschlüpften kleinen Drachen aus, die auf ihm herumturnen sollen - und auf sie habe ich mich ehrlich gesagt mit am meisten gefreut!


Der Bau von Figuren ist für mich persönlich immer eine der spannendsten Herausforderungen, vor allem weil das schlussendliche Ergebnis auch für mich selbst immer wieder ein Überraschungspaket darstellt. Dies liegt vor allem an der etwas andersartigen Bautechnik. Während ich nämlich bei szenischen Projekten (vor allem beim Modellbau) häufig einfach drauf los baue, dafür aber von Anfang an eine fixe Idee im Kopf habe, wie das fertige Setting am Ende wirken und ausschauen soll, läuft es beim Figurenbau genau anders herum: Figuren baue ich nämlich schichtweise vom Skelett her auf, sprich, ich plane und baue zuerst ein stimmiges Unter- bzw. Knochengerüst, welches dann nach und nach mit Muskeln und Haut ummantelt wird ... - und heraus kommt hoffentlich irgendwann ein anatomisch halbwegs stimmiges Viecherl, von dem ich bei Baubeginn allerdings herzlich wenig Ahnung hatte, wie es tatsächlich ausschauen würde.

Entsprechend ist der Bau auch für mich immer enorm reizvoll, weshalb ich mich auch schon enorm auf diese beiden Kerlchen freue - solche Zeitgenossen wollte ich nämlich spätestens seit dem vierten Harry-Potter-Band bei mir wohnen haben. Also los geht es!


Als erstes drucke ich mir eine passende Skelett-Vorlage in der benötigten Größe aus und leime sie auf dünnen Karton auf. Zwar gefallen mir einzelne Eigenschaften der Vorlage noch nicht so ganz (vor allem Kopf & Vorderbeine), aber die lassen sich schließlich noch anpassen.


Im nächsten Schritt biege ich mir ein Rückgrat aus stabilem Draht zurecht. Außerdem schneide ich aus meiner Kartonvorlage den Korpus des Drachen aus. Den Korpus klebe ich direkt an meinen Rückgrat-Draht, womit ich nun einen kleinen Drachenrumpf im Profil habe, den ich nun weiter ausbauen kann. Und weil es ja zwei Drachen werden sollen, baue ich alle Teile natürlich gleich in doppelter Ausfertigung.


Es geht nun also daran, den Rumpf dreidimensional auszuformen. Der Einfachheit halber beginne hier mit dem größten und prominentesten Part, nämlich dem Brustkorb, den ich aus Modelliermasse auf beide Seiten des Drachenkorpus aufmodelliere.

Nach einigem Glätten und Schmirgeln werden im nächsten Schritt dann die Rippenbögen mit meiner heißgeliebten Säg-hobel-bohr-Fräse eingraviert. Auf diese Weise können später eventuell noch einige Rippenabdrücke durch die Haut durchschimmern... schauen wir mal ob sie tatsächlich gebraucht werden *g*

Weiter geht es mit dem übrigen Knochengerüst: Für die spätere Haltung werden vor allem Hüftknochen und Schulterblätter wesentlich sein - nicht zuletzt weil an ihnen später ja auch Beine und Flügel befestigt werden.


Den Anfang mache ich mit den Hüftknochen, die ich erneut aus Karton ausschneide und rechts und links an meinen Korpus klebe. Außerdem befestige ich an jedem Hüftknochen eine kleinen Öse aus Draht - mein späteres Hüftgelenk zur Befestigung beweglicher Hinterläufe.


Nach dem gleichen Prinzip werden im nächsten Schritt auch die Schulterblätter gebaut. Auch sie versehe ich mit kleinen Gelenk-Ösen - diesmal allerdings gleich mit zwei Ösen pro Schulterblatt: Eine zur Befestigung der Vorderläufe, und eine zur Befestigung der Flügel.

Dies stellt nun die erste strukturelle Abänderung zu meiner Vorlage dar, auf der in anatomischem Irrwitz einfach zwei Schulterblätter eingezeichnet waren - nämlich ein Paar für die Flügel und ein weiteres (viel zu tief angesetztes) Paar für die Vorderläufe. Das ist natürlich völliger Kokolores. Allerdings bringt uns diese kreative, wenn auch blödsinnige Idee direkt zum Kernproblem der Drachen-Anatomik:

Denn tatsächlich haben Drachen (zumindest solche mit vier Beinen) eigentlich ein Paar Extremitäten zu viel. Anatomisch korrekt dürften sie ENTWEDER Flügel ODER Vorderbeine haben - das Vorhandensein beider ist nach der Skelettstruktur gängiger Säugetiere eigentlich unmöglich.


Was also tun? Wohin mit den überschüssigen Gliedmaßen? Modernere Filmumsetzungen (Harry Potter, GOT, Reign of Fire usw.) haben das Problem häufig so umschifft, indem sie kurzerhand die Vorderläufe ganz weggelassen haben. Die dortigen Drachen benützen ihre Flügel wie Säugetiere ihre Vorderbeine - also auch zum Laufen. Dies ist zwar eine deutlich bessere Lösung, als einfach irgendwo zwei zusätzliche Schulterblätter einzubauen, hinsichtlich der Wirkung halte ich sie allerdings dennoch für etwas unglücklich. Im Flug mag das nämlich noch gut ausschauen, auf dem Boden wirkt der krabbelnde Flügel-Gang dann doch eher wie eine angestürzte Fledermaus und etwas seltsam.


Und da meine Drachen ja am Boden bleiben und nicht fliegen sollen, habe mich dazu entschlossen, in meiner Umsetzung bei dem eleganteren, wenn auch anatomisch unlogischen 4-Beine-plus-Flügel-Konzept zu bleiben und das anatomische Problem der überschüssigen Gliedmaßen über ein Doppelgelenk zu lösen. Die Schulterblätter meiner Drachen haben somit einfach an beiden Enden je eine Gelenkpfanne, was im Endergebnis dann hoffentlich trotzdem halbwegs funktioniert.

Nachdem dieses Problem diskutiert ist, und auch die wichtigsten Knochen am Korpus fixiert wurden, mache ich mich an das erste Auspolstern der Bauchform, also jenen Stellen, die normalerweise aus weichem Bauchgewebe bestehen würden. Hierfür benütze ich Alufolie. Diese ist nämlich nicht nur sehr einfach und komfortabel in Form zu pressen, im Gegensatz zu Modelliermasse bleibt sie außerdem noch flexibel. Wenn ich also später die Haltung meines Drachen noch zurechtbiegen möchte, kann ich das tun. Dies wäre nicht möglich, wäre die Bauchfläche durchgehend mit gehärteter Modelliermasse gefüllt.


Soweit so gut. Mittlerweile kann man mit viel Fantasie schon eine halbwegs stimmige Körperform erahnen.


Da es sich bei all den verschiedenen Materialien und Oberflächen allerdings noch um ein ziemliches Flickschusterwerk handelt, mache ich mich im nächsten Schritt nun mal daran, die ganze Herrlichkeit mit einer Schicht dünnem Papiermachée zu überziehen. Für das Papiermachée verwende ich in Leim getränkte Taschentücher, die schön dünn, glatt und stabil auftrocknen. Ich erhalte so eine einheitliche Oberfläche, auf der nichts mehr verrutschen kann - und vor allem wirkt die Form nun in ihrer Gänze . Ich kann also besser sehen und einschätzen an welchen Stellen später noch einmal nachmodelliert werden sollte.


Ja, und damit kann ich nun am Rumpf für den Moment nicht mehr viel tun und ich wende mich den Beinen zu:


Für die einzelnen Gliedmaßen gilt es nun Rohformen zu bauen, die vorläufig noch so flexibel sein müssen, dass ich die Bein - und Fußstellungen vor dem Ausmodellieren noch anpassen kann. Ich beginne also damit, zunächst einmal die Längen der einzelnen Knochen direkt von meiner Vorlage abzunehmen und Schaschlikspieße auf die entsprechende Länge zu schneiden.

Im nächsten Schritt verbinde ich meine "Beinknochen", indem ich sie kurzerhand als durchgehende Wurst mit Draht umwickele. Diese Konstruktion wird anschließend mit Sekundenkleber übergossen und mit Papiermachée umwickelt - und die Sache hält.

Die so entstandenen Untergerüste für die Drachenbeine sind auf diese Weise nun nur noch an den "Gelenken" flexibel, und ich kann sie in jede Beinstellung biegen, die ich gerne haben möchte. Und daran mache ich mich nun auch. Zunächst befestige ich also die Beine an den hierfür vorgesehenen Drahtösen an Becken und Schulterknochen...

...bringe anschließend jedes Bein in die Stellung in der ich gerne hätte und fixiere anschließend die Gelenke in dieser Position, indem ich sie mit Modelliermasse ummantele. Nun muss das Ganze nur noch über Nacht schön aushärten und ich kann mich an das Ausformen der Beine machen =)


Ja, und an genau diesem Punkt stehe ich nun auch gerade. Gestern Abend habe ich begonnen die Hinterläufe auszuformen, und wenn alles gut läuft, werden sich heute noch Füße und Vorderbeine dazugesellen. Das fertige Ergebnis gibt es dann wie immer in der nächsten Woche. Ich wünsche Euch bis dahin ein schönes Wochenende du eine feine Zeit!! Bis dahin!

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