Destillierquetsche
& Oculuskop

– November 2021 –

 

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Destillierquetsche

& Oculuskop

Ab und zu muss man von seinen gewohnten Pfaden abweichen, und so handelt es sich bei diesen beiden aparten kleinen Gerätschaften um zwei ausgesprochen spontane Auftragsarbeiten zur Ausstattung eines Filmsets, bei denen ich schlichtweg nicht widerstehen konnte. Verfilmt wurde »Der Schrecksenmeister« von Walter Moers - ein Projekt der Filmabschlussklasse der Filmuniversität Babelsberg. Für mich als alteingesessenen Moersliebhaber ging mit der geplanten Adaption eines meiner Lieblingswerke ein langjähriger Traum in Erfüllung, weshalb für mich klar war, diese kleine aber feine Produktion unbedingt mit der einen oder andere Requisite unterstützen zu wollen.

 

Herausgekommen sind zwei alchemistische Gerätschaften zur Ausstattung des Labors des Schrecksenmeisters: Eine Destillierquetsche und ein Oculuskop - beides frei erfundene alchemistisch anmutende Apparaturen, die in ihren Funktionen den Beschreibungen des Romans entnommen sind, wenn sie auch nicht ausdrücklich benannt werden.  Müßig zu erwähnen, dass der Bau  mir ganz besondere Freude gemacht hat. Seit dem Bau meines Steampunk-Beamers hatte ich mich nicht mehr am Bau von Geräteattrappen versucht, und gerade mit dem moers'schen Themenschwerpunkt konnte ich mich hier mal wieder so richtig austoben.

Besonders wichtig bei dem Design war mir, dass die Geräte trotz ihrer Skurrilität in sich logisch, und ihre Funktionen optisch erkennbar sein sollten, und so unterschieden sich beide Apparaturen auch grundsätzlich in Größe, Form und Funktion voneinander. 

 

Die Destillierquetsche

040 - Eisspins Destillierquetsche - (c) Kassiopeya 2021.jpg

Meine Destillierquetsche orientiert sich am Hauptthema des Romans, in welchem der Schrecksenmeister Eißpin einem verhungernden Krätzchen das Angebot macht, es einen Monat lang fürstlich zu mästen sofern es zustimmt, sich am Ende des Monats von ihm schlachten und sein Fett auskochen zu lassen. Wie wir im Roman erfahren, tötet Eißpin gewohnheitsmäßig zahlreiche Kreaturen auf diese Weise um seine alchemistischen Vorräte aufzufüllen - und meine Destillierquetsche spiegelt eben jene morbide Prozedur wider. So findet sich an ihrem oberen Ende eine Vorrichtung, mittels derer man die Lebensessenz eines armen Viecherls herausquetschen kann, die dann in den unteren Bereichen hochwissenschaftlich aufgekocht und destilliert wird. 

Der Bau der Apparatur stand im Hinblick auf den geplanten Drehbeginn unter einem enormen Zeitdruck. Tatsächlich ist die Quetsche in nur etwas mehr als 1,5 Wochen entstanden. Wie genau der Bau ausgesehen hat, seht ihr im nachfolgenden WIP-Album. Eine Ausführlicher Baudokumentation gibt es wie üblich in meinem Blog nachzulesen.

(Und wen die technischen Details gar nicht interessieren kann hier direkt zum nächsten Gerät springen).

Der Bau der Quetsche

 

Das Oculuskop

026 - Wurzelmännleins Oculuscope groß (c) Kassiopeya 2021.jpg

Wie auch die Destillierquetsche orientiert sich das Oculuskop an einigen Beschreibungen des Romans, genauer gesagt einer kleinen Geschichte, die Eißpin dem Krätzchen erzählt während es an seinem Mikroskop arbeitet. Die Geschichte handelt von einem der kleinsten noch sichtbaren Vertreter Zamoniens, einem sogenannten Wurzelmännchen, das versehentlich einen Dämonen aus einer Flasche befreit. 

Eigentlich bestand mein Auftrag lediglich darin, ein kleines Wurzelmännchen zu bauen. Da diese winzigen Kreaturen laut Roman allerdings kleiner als eine Kastanie sind, wäre diese Darstellung dann doch sehr dürftig ausgefallen. Ich habe mich ´daher dazu entschlossen, das Wurzelmännchen unter einem alchemistischen Mikroskop zu platzieren (dem Oculuskop), was auch  schön zum Erzählrahmen der Geschichte passt.

Auch optisch habe ich mein  Oculuskop an einige moers'sche Themen angelehnt. So haben wird mit der zyklopisch anmutenden Augapfellinse eine kleine Huldigung des Buchlingthemas, die dämonischen Hände wiederum  beziehen sich direkt auf die Geschichte des Wurzelmännleins und den befreiten Dämonen. 

Und auch zu diesem Bau gibt wurde die Entstehungsgeschichte in zahlreichen Bildern festgehalten (Für eine ausführlichere Version sei hier erneut auf meinen Blog verwiesen, in dem ich deutlich ausführlicher dokumentiere).

Das Oculuskop entsteht