Der Bau von Castle Rock

– Mai 2020 - Februar 2021 –

 

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Der Bau von Castle Rock

Das (unfertige) Rahmenkonzept

Wer meinen Projekten schon eine Weile folgt, der weiß: Jedes neue Modell beginnt mit meinem ewigen Ringen um ein schlüssiges Konzept - schließlich sollen äußere Form, Aufbau und Atmosphäre am Schluss ein stimmiges Ganzes ergeben, das der Vorlage auch gerecht wird. Und ja, bis hier eine runde Idee steht, kann es auch mal länger dauern.

S o ging auch dem Bau von „Everything's for Sale“ mehr als ein Jahr Ideenentwicklung voraus, wobei allerdings das Grundthema für mein Rahmenkonzept schon recht früh feststand. Von Anfang an wollte ich meinen Schwerpunkt auf den parabelhaften Grundcharakter der Geschichte legen, auf ihre Übertragbarkeit und Zeitlosigkeit. Die Frage allerdings, wie dies am griffigsten umzusetzen sei, gestaltete sich da schon schwieriger, schließlich wollte ich die Geschichte nicht bis zur Unkenntlichkeit verfremden. So entwickelte sich nach langem Hin und Her schlussendlich die Idee eines Doppelprojektes: Um den notwendigen Kontrast zu schaffen, wird es langfristig nicht eine, sondern gleich zwei Modelladaptionen geben - eine in der buchgetreuen „klassischen“ Variante und eine in einer deutlich modernisierten Fassung. Beide werden Rücken an Rücken gestellt ein Ganzes bilden - ein würdiger Abschluss für meine King-Reihe, wie ich finde.

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Ein solches Doppelprojekt-Vorhaben bedeutet allerdings nicht nur eine längere Bauzeit, sondern auch eine gestaffelte Endpräsentation (zumindest, wenn die Zuschauer nicht geschlagene zwei Jahre auf ein Ergebnis warten sollen). Fertig geworden ist nun der erste Teil, sprich: die klassische Variante. Der Bau der modernisierten Fassung wird dann als nächstes folgen.


Aber immerhin: Ihr wisst wohin die Reise gehen soll ;)

Die Planung von Castle Rock

Natürlich enden grundlegende gestalterische Überlegungen nicht beim Rahmenkonzept, vor allem wenn es eine ganze Stadt abzubilden gilt. Im Grunde genommen beginnt mit der Planung des Grundrisses die Hauptarbeit erst - so auch im Fall von „Castle Rock“.

003d - WIP Neeedful Things (c) Kassiopey

Bei der Planung der Stadt war es mir besonders wichtig, die Betrachterperspektive des Zuschauers an die Erzählperspektive der Geschichte anzugleichen. So stehen in meinem Modell nun die Geschichten der Stadt und ihrer Bewohner metaphorisch wie praktisch im Vordergrund. Ihre Häuser sind am äußeren Rand einer halbkreisförmigen Grundplatte angeordnet, während der zwielichtige Laden „Needful Things“ deutlich weiter hinten im Stadtsetting platziert ist. Er agiert somit sprichwörtlich aus dem Hintergrund heraus und bildet doch gleichzeitig das Zentrum der Szenerie.

Da Vordergrund und Hintergrund zudem durch die Mainstreet getrennt sind, weisen die Fronten der Wohnhäuser nicht zum Zuschauer hin, sondern in die entgegengesetzte Richtung, sprich ins Modell hinein. Folglich blickt auch der Betrachter nicht auf die Fassaden der Gebäude, sondern auf ihre Gärten und Hinterhöfe – jene zentralen Schauplätze der Geschichte, an denen die verdeckten Konflikte der Bewohner schwelen und sich im Verlauf der Geschichte mehr und mehr verschärfen.

Und immer fehlt es an Platz

Macht man sich an die Umsetzung größerer Szenerien, so besteht ein chronisches Grundproblem in der begrenzten Baufläche. Und wenn (wie in meinem Fall) der Platz nun mal nicht für mehr als eine Handvoll Häuser reicht, dann muss man eben zu dem einen oder anderen technischen Trick greifen, um auf kleiner Fläche eine maximale Tiefenwirkung zu erzeugen. Beim Bau von „Everything's for Sale“ habe ich mich dabei vorwiegend auf zwei Techniken gestützt: Illusionsmalerei und perspektivische Verzerrung.

So wurde ein Großteil der Häuser im Hintergrund noch vor Baubeginn direkt auf die Rückwandplatte gemalt – alle perspektivisch so angelegt, dass sie mit den später real hinzu gebauten Gebäuden optisch weitgehend verschmelzen. 

Um die Tiefenwirkung noch weiter zu steigern, wurden zudem alle realen Gebäude perspektivisch verzerrt gebaut, d. h. sie verkleinern sich Richtung Rückwand fast bis auf halbe Größe (wobei die für die Konstruktion verwendeten Fluchtpunkte denen der gemalten Häuser entsprechen).

059 - WIP Neeedful Things (c) Kassiopeya

Diese bewährte Technik ist schon etwas älter und steigert die Tiefenwirkung enorm. Ich habe sie seinerzeit beim Bau von „Derry“ entwickelt und dort auch sehr detailliert beschrieben. Aus diesem Grund erspare ich mir nähere Erläuterungen an dieser Stelle.

 

Ja, und damit wären die grundlegenden planerischen und baulichen Besonderheiten von „Everything's for Sale“ grob umrissen. Wer allerdings gerne noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, der sei an dieser Stelle herzlich eingeladen, einen Blick in meinen Blog zu werfen, wo ich den Bau nochmal detaillierter dokumentiert habe.

 

Alle anderen, die bis jetzt durchgehalten haben, begrüße ich nun in der WIP-Galerie!